Fledermausschutz beim Dachgeschossausbau in München: RKU-Verfahren, Zeitfenster und Baustopp-Risiken
2026-10-21T12:45:00+02:00 · Ratgeber
In München ist das Referat für Klima und Umweltschutz (RKU) der entscheidende Ansprechpartner, wenn ein Dachgeschoss ausgebaut werden soll und das Dach als Lebensraum für Fledermäuse in Frage kommt. Wer die Fristen, Zuständigkeiten und typischen Stolperfallen nicht kennt, riskiert einen Baustopp mitten in der Bauphase – und damit hohe Zusatzkosten durch Standzeit, Gerüstmiete und verschobene Handwerkertermine. Dieser Ratgeber erklärt kompakt, wann das RKU eingebunden werden muss, welche Dachformen besonders betroffen sind und wie sich der Zeitplan realistisch planen lässt.
Warum München beim Fledermausschutz eine Sonderrolle hat
München ist die einzige deutsche Großstadt mit einem relevanten Fledermausvorkommen in innerstädtischen Gebäuden. Arten wie Zwerg- und Breitflügelfledermaus nutzen Dachstühle, Hohlräume hinter Verkleidungen und Spalten in der Gaubenverkleidung als Sommer- und Wochenstubenquartiere. Ein Dachgeschossausbau kann diese Quartiere zerstören – das RKU prüft deshalb, ob artenschutzrechtliche Maßnahmen nötig sind, bevor die Bauphase startet. Eine frühzeitige Abstimmung vermeidet, dass nach Beginn der Arbeiten ein Baustopp verfügt wird, weil ein Fledermaus-Vorkommen übersehen wurde.
Wann das RKU kontaktiert werden muss
Die Pflicht zur RKU-Beteiligung greift, sobald Hinweise auf eine aktuelle oder frühere Nutzung des Dachs als Fledermausquartier vorliegen. Konkrete Anhaltspunkte sind:
- Verkotung an Fenstern, im Spitzboden oder hinter Verkleidungen
- Bewegungsspuren auf staubigen Dachbodenflächen
- Sichtbeobachtungen von Tieren beim Aus- oder Einflug in der Dämmerung
- Bekannte Vorkommen im Stadtteil laut Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde
Auch ohne offensichtliche Spuren empfiehlt es sich, das RKU frühzeitig einzubinden – gerade bei älteren Bestandsgebäuden mit ungedämmtem Dachstuhl, die über Jahre ungestört blieben.
Verfahrensschritte im RKU-Verfahren
Der typische Ablauf gliedert sich in mehrere Prüfstufen, die ineinandergreifen:
- Voranfrage an das RKU per E-Mail mit Adresse, kurzer Baubeschreibung und Fotos von Dachboden, Spitzboden und Gauben.
- Vor-Ort-Begehung durch eine vom RKU beauftragte Person, um das Quartierpotenzial zu bewerten.
- Artenschutzrechtliche Prüfung: Bei bestätigtem Vorkommen werden Ersatzquartiere (zum Beispiel Fledermauskästen oder Einbausteine in die Gaubenverkleidung), Bauzeitenfenster und Schutzmaßnahmen festgelegt.
- Freigabe mit Auflagen: Das RKU erteilt eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung oder bestätigt, dass keine Maßnahmen nötig sind.
Wichtig: Die artenschutzrechtliche Freigabe ist Voraussetzung dafür, dass die Lokalbaukommission München (LBK) einen Bauantrag oder eine verfahrensfreie Anzeige abschließend bearbeiten kann.
Realistische Zeitfenster für die Vor-Ort-Begehung
Die Dauer hängt vom Quartierstatus und vom Zeitpunkt der Anfrage ab:
- Einfache Prüfung ohne Vorkommen: 4–6 Wochen zwischen Voranfrage und schriftlicher Rückmeldung.
- Bestätigtes Vorkommen ohne größere Auflagen: 6–10 Wochen für Begehung, Protokoll und Auflagenbescheid.
- Quartier mit Wochenstube oder größerem Koloniebestand: 3–6 Monate, weil Ersatzquartiere geschaffen und die Bauarbeiten in fledermausfreie Zeitfenster (meist Oktober bis Februar) gelegt werden müssen.
Planungs-Tipp: Anfragen zwischen März und September stoßen häufig auf Wartezeiten, weil die Begehungen in den Wochenstubenzeit fallen und nur eingeschränkt stattfinden können.
Betroffene Dachformen und Gebäudetypen
Nicht jedes Dach ist gleichermaßen relevant. Besonders häufig betroffen sind:
- Steile Sattel- und Walmdächer auf Bestandsbauten vor 1980 mit dunklem, ungestörtem Dachstuhl.
- Dachgauben aus den 1960er- bis 1990er-Jahren, deren Verkleidungen Spalten und Hohlräume bieten.
- Verkleidete Spitzböden mit Holzverschalung, die über Jahrzehnte nicht geöffnet wurden.
- Denkmalgeschützte Gebäude, bei denen RKU und Denkmalschutzbehörde parallel beteiligt sind und Auflagen kumulieren können.
Flachdächer und neu errichtete Dächer mit Folien- oder Blecheindeckung sind seltener betroffen, können aber Spaltenquartiere in Attiken oder Lüftungselementen aufweisen.
Wie ein Baustopp in der Bauphase vermieden wird
Ein Baustopp während der Bauphase entsteht fast immer, wenn die RKU-Prüfung erst nach Beginn der Arbeiten angestoßen wird. Drei Hebel halten das Projekt im Zeitplan:
- RKU-Kontakt vor der LBK-Anzeige: Die artenschutzrechtliche Klärung gehört in die Vorplanungsphase, nicht erst in die Bauphase.
- Bauzeitenfenster mit dem RKU abstimmen: Bei bestätigten Wochenstuben sind Eingriffe zwischen Oktober und Februar oft nur eingeschränkt zulässig – diese Vorgabe in den Bauzeitenplan übernehmen.
- Ersatzquartiere frühzeitig beschaffen: Fledermauskästen und Einbausteine haben Lieferzeiten von mehreren Wochen und müssen vor Beginn der Demontage montiert sein.
Wer die Prüfung mit der Anzeige bei der Lokalbaukommission und der Statik-Vorprüfung parallel führt, kann bei verfahrensfreien Ausbauten innerhalb von 3–5 Monaten komplett durchplanen – andernfalls verschiebt sich die Übergabe um eine ganze Saison.
Zusammenspiel mit der Bayerischen Bauordnung 2025
Seit der BayBO-Novelle im Januar 2025 sind viele Dachgeschossausbauten verfahrensfrei, sofern Dachkonstruktion und äußere Gestalt unverändert bleiben. Die Fledermaus-Prüfung bleibt davon unberührt: Sie ist eine eigenständige naturschutzrechtliche Pflicht und gilt unabhängig davon, ob ein Bauantrag nötig ist oder nur eine Anzeige bei der LBK. Wer nur die verfahrensfreie Anzeige im Blick hat und das RKU überspringt, riskiert trotz formal korrekter Anzeige einen Baustopp, sobald das RKU im laufenden Betrieb eingreift.
Kontaktstelle RKU München
Anfragen laufen über das Referat für Klima und Umweltschutz der Landeshauptstadt München. Die offizielle Kontaktadresse lautet [email protected]. Sinnvoll sind Adresse, kurze Projektbeschreibung, Bauzeitraum und Fotos des Dachstuhls. Eine erste Einschätzung, ob überhaupt ein Verfahren nötig ist, kommt erfahrungsgemäß innerhalb weniger Wochen.
Wer die Verzahnung von RKU, LBK und gegebenenfalls Denkmalschutzbehörde von Anfang an mitplant, sichert sich einen planbaren Bauablauf – und nutzt die Spielräume der Bayerischen Bauordnung 2025 ohne artenschutzrechtliches Risiko. https://www.dachgeschossausbaumuenchen.de/wissen/genehmigung-bayern/