Sturmklammern und Windsogsicherung am Dach: Wann sind sie bei einer Neueindeckung sinnvoll?
Warum Windsog am Dach ernst genommen werden muss
Wind wirkt auf ein Dach nicht nur von oben, sondern erzeugt an den Kanten, am First und an Gauben Unterdruck. Dieser Windsog zieht die Deckelemente nach oben. Ohne ausreichende Befestigung können Ziegel, Dachsteine oder Metallelemente angehoben, verschoben oder herausgerissen werden. Sturmklammern, Sturmschrauben und systemzugehörige Klammern gehören deshalb zu den Bausteinen, die bei einer Neueindeckung von Anfang an mitgedacht werden sollten.
Was Sturmklammern konkret leisten
Sturmklammern sind kleine, korrosionsgeschützte Metallklammern aus Edelstahl oder verzinktem Stahl, die in die Lattung greifen und den Deckwerkstoff formschlüssig gegen Abheben sichern. Sie übertragen die Windsogkraft in die Traglatte und von dort in die Unterkonstruktion.
- Sie ergänzen die Eigengewichtslast des Deckmaterials, das allein nicht jeden Windsog aufnehmen kann.
- Sie funktionieren unabhängig von Mörtel oder sonstiger Vermörtelung.
- Sie lassen sich bei einer späteren Dachprüfung oder einem Tausch von Einzelziegeln mit passendem Werkzeug wieder lösen.
Befestigungsklassen: nicht jede Klammer reicht
Die Zahl und Anordnung der Sturmklammern richtet sich nach der sogenannten Befestigungsklasse. Sie ergibt sich aus Windzone, Gebäudehöhe, Lage des Gebäudes, Dachform und Dachneigung. Üblich sind Klassen mit abgestuften Anforderungen, von einer Klammer pro Deckelement im Innenbereich bis zu mehreren Klammern oder Schrauben an Rand- und Eckbereichen. Genau dort, also an Traufe, Ortgang, First und um Dachdurchdringungen herum, treten die höchsten Soglasten auf.
Sturmklammern oder Sturmschrauben?
Sturmschrauben gehen durch den Deckwerkstoff hindurch und bieten eine höhere Haltekraft. Sie werden vor allem dort eingesetzt, wo
- die Dachneigung besonders flach ist und das Eigengewicht weniger hält,
- das Deckmaterial nur wenige Klammertaschen hat,
- die Befestigungsklasse rechnerisch mehr Tragfähigkeit verlangt, als eine Klammer leisten kann,
- schwere Materialien wie Schiefer oder großformatige Dachsteine verlegt werden.
Sturmklammern sind die wirtschaftlichere und materialschonendere Variante, wenn Deckwerkstoff und Befestigungsklasse zusammenpassen. Welche Lösung am konkreten Dach richtig ist, ergibt sich aus der Kombination von Material, Dachform und Region.
Einfluss von Dachform und Region
Dachform
Sattel- und Walmdächer haben ausgeprägte Eck- und Randbereiche. Bei Pultdächern ist die gesamte Fläche dem Wind stärker ausgesetzt, bei Flachdächern greifen andere Befestigungsregeln. Gauben, Zwerchgiebel und Dachflächenfenster erhöhen die Zahl der Randbereiche zusätzlich.
Region und Windzone
In NRW reicht die Spanne von stärker abgeschirmten Innenstadtlagen bis zu freien Lagen am Niederrhein oder in der Eifel. Windoffene Standorte, Hanglagen und Höhen über etwa 800 m verschärfen die Anforderungen. Die tatsächliche Befestigungsklasse ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Standort, Gebäudehöhe und Dachgeometrie und wird im Angebot des Dachdeckerbetriebs ausgewiesen.
Wann Sturmklammern bei einer Neueindeckung sinnvoll sind
- Wenn die vorhandene Lattung erhalten bleibt und neue Deckelemente mit Klammertaschen verlegt werden.
- Wenn das gewählte Material und die Befestigungsklasse zusammenpassen.
- Wenn auf Sturmschäden in der Nachbarschaft reagiert werden soll und das Dach ohnehin neu eingedeckt wird.
- Wenn die Eigentümerdokumentation eine nachvollziehbare Windsogsicherung verlangt, etwa für Versicherung oder Verkauf.
Was in das Angebot gehört
Ein nachvollziehbares Angebot zur Dachneueindeckung benennt die Befestigungsklasse, die Anzahl der Klammern oder Schrauben pro Quadratmeter und die Bereiche, in denen erhöhte Anforderungen gelten. Ebenso sollte erkennbar sein, ob die Sturmklammern aus Edelstahl bestehen und ob Rand-, Eck- und Firstbereiche gesondert ausgewiesen sind. Wer diese Punkte kennt, kann Angebote vergleichen, ohne sich an Pauschalen orientieren zu müssen.
Planung über die Hauptseite hinaus
Die Auswahl der richtigen Sturmklammer hängt eng mit Material, Dachform und Region zusammen und gehört damit in jede sorgfältige Neueindeckungsplanung. Wer Dachform, Neigung und Material im Blick hat und weiß, dass die Windsogsicherung an Rand und Ecken besonders wichtig ist, kann das Gespräch mit dem Dachdeckerbetrieb vorbereiten. Für die eigentliche Eindeckung mit Ziegel, Dachstein, Schiefer oder Metall liefert die Hauptseite zur Dachneueindeckung in NRW den passenden Einstieg.